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13
May
2019

Interview mit Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH

INTERVIEW

In der automotiven Wirtschaftsregion Stuttgart spiegeln sich die Trends und Herausforderungen unserer Zeit wie unter einem Brennglas. Digitalisierung und E-Mobilität treiben den Wandel voran. Gleichzeitig glänzt die heimische Industrie in einer anhaltenden Phase des Wachstums, Exports und Beschäftigungsanstiegs. Nicht alle Unternehmen sehen deshalb die Notwendigkeit, sich bereits jetzt den Anforderungen der Industrie 4.0 zu stellen. Und nicht alle Kommunen der Wirtschaftsregion sind bereit, hierfür die strukturellen Voraussetzungen zu bewältigen. Wir haben Dr. Rogg von der Wirtschaftsförderung zu den Herausforderungen und Potentialen in der Region Stuttgart befragt. Und hierzu klare Antworten bekommen.

E & G Real Estate: Wo steht die Region Stuttgart in Q1-2019? Wie ist die Wirtschaftsregion Stuttgart Anfang 2019 aufgestellt?

Dr. Rogg: Zunächst sind die regionalen Wirtschaftsdaten hervorragend: eine historisch niedrige Arbeitslosenquote von 3%, eine beeindruckende Exportquote der regionalen Industrie von 69%, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Land sind auf Rekordniveau. In den nationalen und internationalen Rankings von Wirtschaftswoche und Financial Times steht Stuttgart, was die ökonomischen Zukunftsaussichten betrifft, auf den vorderen Plätzen. Wenn wir die Herausforderungen, vor denen wir in den kommenden Jahren fraglos stehen, richtig anpacken, haben wenige Regionen eine vergleichbar gute Ausgangsposition, wie sie die Region Stuttgart hat. Aber diese Herausforderungen haben es in sich!

E & G Real Estate: Wo liegen die besonderen Herausforderungen in 2019?

Dr. Rogg: Nach zehn Jahren Wirtschaftswachstum wird der konjunkturelle Schwung in der Region möglicherweise etwas nachlassen. Die Unternehmensumfragen der IHK gehen jedoch auch für 2019 von einer Fortsetzung des Beschäftigungsanstiegs aus. Im Moment wirkt sich hier eher der wachsende Fachkräfteengpass dämpfend aus. Die weltwirtschaftlichen Risiken, die vor allem von weiteren Beschränkungen des freien Welthandels und von sinkenden Wachstumsraten in wichtigen Auslandsmärkten wie China ausgehen, betreffen unsere exportstarke Region natürlich in besonderem Maße. Dies gilt ebenso für den globalen Strukturwandel in unseren Kernbranchen. Außerdem leiden wir nach wie vor unter einem massiven Flächenmangel. Wir müssen uns daher umso mehr darauf konzentrieren, die Rahmenbedingungen an unserem Standort positiv weiterzuentwickeln. Hier setzen unter anderem die regionale Breitbandinitiative und die Gewerbeflächenstrategie an, die die Regionalversammlung im vergangenen Jahr beschlossen hat.

E & G Real Estate: Wie wirkt sich der Strukturwandel in der Automobilindustrie auf die Wirtschaftsregion aus?

Dr. Rogg: Unsere Wertschöpfungsketten im Automobilbau geraten durch die beschleunigte Entwicklung hin zum vollelektrischen Antrieb und durch digitale Mobilitätslösungen unter Druck. Auch der Maschinenbau und viele Dienstleistungsbranchen müssen die Digitalisierung meistern. Für viele Unternehmen ist dies mit einschneidenden Veränderungen der Produktionsprozesse, der Zulieferketten und der Geschäftsmodelle verbunden. Die Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter werden sich stark verändern. Mit der Einrichtung des Transformationsbündnisses Automobilwirtschaft suchen wir den Schulterschluss mit Arbeitgebern, Gewerkschaften, Kammern und der Arbeitsverwaltung, um den Strukturwandel in der Branche zu gestalten.

E & G Real Estate: Was wird notwendig sein, um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Region für die Zukunft zu sichern?

Dr. Rogg: Neben der ausreichenden Verfügbarkeit von Fachkräften und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur ist die Flächenverfügbarkeit ein zentraler Faktor. Die Unternehmen in der Region werden in den kommenden zwei bis fünf Jahren strategische Entscheidungen treffen, an welchen Standorten sie die Technologien der Zukunft umsetzen werden. Wenn die dafür erforderlichen Flächen nicht zur Verfügung stehen, besteht die große Gefahr, dass zentrale Zukunftsentwicklungen an der Region vorbeigehen. Und diese Unternehmensentscheidungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit später auch nicht mehr rückgängig zu machen sein.

E & G Real Estate: Stehen hierzu ausreichend Industrie- und Logistkflächen zur Verfügung? Welche Auswirkungen hat der Flächenengpass für die Industrieunternehmen der Region?

Dr. Rogg: Die Flächenknappheit in der Region betrifft zum einen die großen Automobilhersteller und -zulieferer, die neben der Fahrzeugproduktion mit konventioneller Verbrennungstechnik neue elektro-mobile Produktionsstrukturen und Zulieferketten aufbauen müssen. Das braucht Platz. Die Ansiedlung der Produktion des ersten vollelektrischen Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen zieht zwangsläufig auch Flächenbedarf für völlig neue Zulieferaufgaben nach sich. Der Aufbau von Batteriefabriken in den Mercedes-Werken Stuttgart-Untertürkheim und Sindelfingen ist ohne zusätzliche Flächenkapazitäten schlichtweg unmöglich – allein schon aufgrund der besonderen sicherheitstechnischen Anforderungen, die die Batterietechnik mit sich bringt. Die Flächenknappheit trifft aber besonders auch viele kleine und mittlere Unternehmen, für die es an den für Wachstum und für die Erschließung neuer Geschäftsfelder dringend benötigten Flächen fehlt. Da ist es übrigens nur ein schwacher Trost, dass die Flächenknappheit auch bereits massiv jenseits der Regionsgrenzen angekommen ist.

E & G Real Estate: Welche Gegenmaßnahmen werden derzeit ergriffen oder sind geplant?

Dr. Rogg: Die regionale Gewerbeflächenstrategie, die im Herbst von der Regionalversammlung beschlossen wurde, setzt insbesondere an der Aktivierung noch nicht umgesetzter Flächenpotenziale an. Wir haben im Rahmen unserer 2017 durchgeführten Gewerbeflächenanalyse erkennen müssen, dass im Regionalplan und in Flächennutzungsplänen bereits gesicherte Flächen schlichtweg nicht umgesetzt werden. Die Kommunen sehen sich mit einer Vielzahl von Hemmnissen konfrontiert, die eine Realisierung neuer Gewerbegebiete massiv erschweren oder zu großen zeitlichen Verzögerungen führen: Diese reichen von naturschutzrechtlichen Einschränkungen, über Engpässe bei der verkehrlichen Erschließung bis zur mangelnden Verkaufsbereitschaft der Eigentümer. Um solche Hemmnisse – sei es durch investive Maßnahmen, sei es zum Beispiel durch eine unterstützende Moderation – angehen zu können, hat die Region ein Förderprogramm zur Aktivierung regionalbedeutsamer Gewerbegebiete mit einem Volumen von 3 Mio. Euro aufgelegt. Wichtig war uns bei diesem Programm aber auch, die Reaktivierung von brachgefallenen Flächen bewusst in die Förderung mit einzubeziehen. Auf der strategischen Ebene arbeiten wir an einem Konzept für einen regionalen Vorhaltestandort, den wir dringend benötigen, um bei großflächigem Bedarf für Projekte des technologischen Wandels zum Beispiel im Bereich der Elektromobilität handlungsfähig zu sein. Die regionalen Maßnahmen können letztlich aber nur greifen, wenn Kommunen, Region und nicht zuletzt auch Unternehmen und Immobilienwirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen.

E & G Real Estate: Herr Dr. Rogg, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.


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